Innerer Dialog - Selbstwert

Innerer Dialog – zur Festigung des Selbstwertgefühls

 

Dieser innere Dialog beschreibt einen Prozess, der in vielen Menschen wirkt:
Ein verletzter Anteil meldet sich zu Wort – geprägt von früheren Erfahrungen, Zurückweisungen oder stillen Anpassungen. Er trägt die Angst, nicht zu genügen, zu viel zu sein oder keinen Platz zu haben. Sobald er sich infrage gestellt fühlt, reagiert er mit Rückzug, Selbstabwertung oder dem Wunsch, sich anzupassen.

Demgegenüber steht die reife Frau als innere Instanz. Sie ist kein Idealbild und keine perfektionierte Version des Selbst, sondern eine Haltung: präsent, zugewandt und verlässlich. Ihre Aufgabe ist nicht, den verletzten Anteil zu „reparieren“, sondern ihn nicht mehr allein zu lassen.

 

Im Dialog geschieht etwas Entscheidendes:
Die reife Frau widerspricht der Angst nicht laut, sie relativiert sie nicht und versucht nicht, sie wegzumachen. Stattdessen bleibt sie ruhig anwesend. Sie macht deutlich, dass der eigene Wert nicht von Meinungen, Bewertungen oder Zugehörigkeit abhängt. Der Satz „Dein Wert steht nicht zur Diskussion“ markiert eine innere Grenze: Das Selbstwertgefühl wird aus dem Außen zurückgenommen und im Inneren verankert.

 

Besonders zentral ist das Versprechen:


„Ich werde dich nicht mehr verlassen, nur um dazuzugehören.“


Hier verändert sich die innere Dynamik. Selbstwert entsteht nicht dadurch, dass man immer sicher ist oder keine Fehler macht, sondern dadurch, dass man sich selbst auch dann treu bleibt, wenn alte Ängste aktiviert werden.

Der Dialog endet in der Stille. Nicht als Leere, sondern als Heimkehr.
Stille bedeutet hier: kein innerer Kampf mehr, kein Rechtfertigen, kein inneres Weglaufen. Die reife Frau bleibt – und genau dadurch kann sich Selbstwert stabilisieren.

Dieser innere Dialog ist keine einmalige Übung, sondern eine innere Beziehung, die wächst.
Mit jeder Wiederholung entsteht mehr innere Sicherheit, mehr Würde – und ein Selbstwert, der nicht mehr von äußeren Reaktionen abhängig ist.

 

Hier ein Beispiel, für einen solchen inneren Dialog.

 

Der verletzte Anteil: „Ich habe Angst, nicht zu genügen. Ich merke, wie schnell ich mich klein mache, wenn jemand mich infrage stellt.“

 

Die reife Frau:“ Ich sehe dich. Du musst dich mir nicht beweisen. Du darfst hier sein, auch mit dieser Angst.“

 

 Der verletzte Anteil: „Aber was, wenn sie recht haben? Was, wenn ich wirklich zu viel bin – oder zu wenig?“

 

Die reife Frau: „Dann bleiben wir trotzdem bei uns. Dein Wert steht nicht zur Diskussion. Nicht heute. Nicht morgen. Nicht von außen.

 

Der verletzte Anteil: „Ich will dazugehören. Ich will nicht wieder ausgeschlossen werden.

 

Die reife Frau: „Ich weiß. Und ich verspreche dir: Ich werde dich nicht mehr verlassen, nur um dazuzugehören!“

 

 Der verletzte Anteil: „Was, wenn ich Fehler mache? „

 

Die reife Frau: „Dann tragen wir sie gemeinsam. Fehler nehmen uns nicht die Würde. Sich selbst zu verraten, würde das eher tun.“

 

 Der verletzte Anteil: „Bleibst du wirklich bei mir, auch wenn es still wird?“

 

 Die reife Frau: „Gerade dann. Stille ist kein Verlassen. Stille ist Heimkehr.“

 

 

© Iris Bachmann

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