Valentinstag

Ich wünsche dir keinen Valentinstagsrausch.
Ich wünsche dir eine Liebe, die dich nicht höher fliegen lässt – sondern sicherer stehen.
In diesen Tagen sieht man sie wieder überall.
Rosen. Herzen. Sonderangebote. Und dieses leise Flüstern zwischen den Zeilen:
„Bist du eigentlich geliebt?“
Der Valentinstag ist offiziell ein Fest der Liebe. Inoffiziell ist er vor allem ein sehr erfolgreicher Wirtschaftstag.
Rosenpreise steigen. Restaurants sind ausgebucht. Herzen aus Plastik wechseln den Besitzer. Der Blumenmarkt freut sich. Die Werbeindustrie auch.
Und viele Frauen, die ich begleite – stark, verantwortungsvoll, reflektiert – spüren plötzlich etwas ganz anderes: Eine leise Unruhe. Eine Frage. Vielleicht sogar einen kleinen Stich.
„Wenn ich wirklich geliebt würde, würde man es heute sehen.“
Aber Liebe zeigt sich nicht an einem Datum. Und sie misst sich nicht in Euro.
Was an diesem Tag lauter wird, ist oft nicht Liebe. Es ist Sehnsucht. Und manchmal auch ein altes Mangelgefühl.
Verliebtheit verkauft sich gut. Sie kribbelt. Sie macht euphorisch.
Sie erzeugt diesen Blick, der sagt: Du bist mein Alles.
Biologisch ist das ein Ausnahmezustand. Dopamin. Adrenalin. Tunnelblick.
Es fühlt sich groß an – aber starke Gefühle sind kein Kompass.
Verliebtheit kann blind machen. Liebe macht klar.
Liebe ist leiser. Sie ist nicht das Drama. Nicht das ständige Auf und Ab.
Nicht das „Ich kann nicht ohne dich“.
Liebe ist:
Ich bleibe bei mir – und öffne mich trotzdem.
Ich verliere mich nicht – auch nicht in Nähe.
Sie fühlt sich vielleicht nicht wie Feuerwerk an. Aber sie fühlt sich sicher an.
Und vielleicht ist genau das der Punkt, den wir am Valentinstag übersehen:
Wir suchen nicht den Rausch. Wir suchen Boden.
Vielleicht ist der eigentliche Valentinstag der Moment, in dem du dich fragst:
Bin ich mit mir verbunden? Oder suche ich im Außen Bestätigung?
Kann ich Nähe leben, ohne mich zu verlieren?
Kann ich bleiben, wenn es nicht mehr knistert?
Ich möchte niemandem den Blumenstrauß nehmen. Wirklich nicht.
Aber vielleicht dürfen wir aufhören zu glauben,
dass Rosen der Beweis für Liebe sind.
Vielleicht ist Liebe eher das:
Jemand bleibt.
Jemand ist ehrlich.
Jemand ist empathisch.
Und ich selbst auch.
Und wenn wir ehrlich sind – das, was wir wirklich suchen, ist kein Valentinstag.
Es ist Sicherheit.
Es ist Ruhe.
Es ist Ankommen.
Ich wünsche dir keinen Valentinstagsrausch.
Ich wünsche dir eine Liebe, die dich nicht höher fliegen lässt – sondern sicherer stehen.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Hermann Josef (Samstag, 14 Februar 2026 21:47)

    Seehr schön